3. Liga
Cleveres Algro siegte verdient

Von Kurt Schöpfer

Wer hätte das gedacht! Am Morgen lag die Blindei noch als verträumte „Biathlonanlage“ im prächtigen weiss. Am Abend präsentierte sich die Sportstätte im kräftigsten Grün und zum Schluss siegte das Team in Blau. Die Mannen von Trainer Ronny Bossert siegten mit einer durchschnittlichen Leistung in einer Partie, in welcher der Siegeswille der Platzherren wie der Frühlingsschnee in der Sonne, dahingeschmolzen war.

Wetterkapriolen auf der Blindei
Am Morgen präsentierte sich der Sportplatz Blindei in einem prächtigen, weissen Winterkleid. Die Sportanlage glich mit ihren gestellten Zielscheiben für den Obligatorischen Schiessanlass eher einer Biathlonanlage statt einer Fussballstätte. Um ca. halb zehn dachten wohl nur die grössten Optimisten an ein Fussballspiel am Abend. Dies schien sich bei den Einheimischen in dessen Köpfen festgesetzt zu haben und so schmolz der Siegeswille wohl dahin wie der Frühlingsschnee in der Sonne. Dabei hätten die Spieler vom Duo Schumacher/Bürkli gewarnt sein müssen. Die Gäste waren durch die bekanntgegebene Vertragsverlängerung mit Ronny Bossert hoch motiviert und der „Trainer Nimbus“ spielte sicherlich mit. Jeder Akteur versuchte seinem Trainer die Nomination für das Spiel zurechtfertigen. Zudem präsentierte sich die Blindei in sattem Grün und bot eine optimale Spielunterlage. Wenn da nicht das Fussballerherz jubelt, wann dann? Gleich von Beginn an nahmen die Gäste um Kapitän Cyrill Bossert das Heft des Spieldiktates in die Hand. Nur mit einem Sieg konnten sich die Luzerner Hinterländer noch Hoffnungen im Kampf um die Aufstiegsplätze machen. Alles andre würde ein dahindümpeln im Niemandsland der Liga bedeuten. Diesen Eindruck hinterliessen die Gastgeber, welche vom Anpfiff durch Schiedsrichter Paul Kaufmann kaum ein Bein vor das andre kriegten. Die beiden Siege (Sursee, Dagmersellen) in jüngster Vergangenheit vertrieben etwas das Abstiegsgespenst von der Blindei. Die Wetterkapriolen machten sich aber bei den Platzherren in einer ausgedehnten „Frühlingsmüdigkeit“ bemerkbar. Sie liessen die Gäste in den Startminuten schalten und walten wie sie wollten. Zum Glück trafen diese zuerst nur links und rechts neben die Pfosten vom von David Wicki gehüteten Tor. Marcel Koller und Dominik Luder waren die Adressaten der ersten Schüsse. Lanciert wurden die beiden meist über die linke Aussenbahn, wo Yves Ortelli die Wolhuser Abwehr stets unter Druck setzte. Die Einheimischen tauchten da erst mit dem ersten Eckball nach rund einer Viertelstunde in Tornähe von Christian Wyss auf. Der Kopfball von Alain Brunner verfehlte aber das angepeilte Ziel. In der 19. Spielminute düpierte Dominik Luder Roland Burri im seitlichen Strafraum. Sein anschliessender Schuss parierte Torwart Wicki und lenkte das Leder zum Eckball um den Pfosten. Die Hereingabe von links verpassten einige, jedoch nicht der rechte Innenverteidiger Kilian Affentranger. Plötzlich stand dieser im Fünfmeterraum alleine vor dem Wolhuser Keeper. Den ersten Schussversuch vermochte Wicki zu parieren, doch im Nachfassen drückte der Algroaner den Ball über die Linie zum 0:1 in der 20. Spielminute. Dieser Gegentreffer zeichnete sich je länger je mehr ab und war die Quittung für die sich lethargisch bewegemden Blindei Kicker.

Mit Fuss verschossen, mit Brust getroffen
Die Einheimischen mussten einige Male die Abseitsfalle benützen um die Gäste Stürmer, wie Yves Ortelli zu bändigen. In der 33. Minute liessen sich die Wolhuser im Mittelfeld unnötigerweise übertölpeln. Im Anschluss daran rappelte sich der gestürzte Dominik Luder am Strafraum auf und drang zwischen zwei Verteidigern in die Zone ein um wenig später erneut von den Beinen geholt zu werden. Christoph Eiholzer versuchte vom Punkt aus David Wicki links unten tief zu bezwingen, sah aber dessen Reflexschnelle Handbewegung und den Ball anschliessend am Pfostenvorbei zum Eckball kullern. Bei der unmittelbar darauffolgenden Hereingabe von links fühlte sich niemand für den Unglücksraben Eiholzer zuständig. Völlig unbehelligt drückte dieser den Ball mit der Brust über die Torlinie zum 0:2. Was ihm mit dem Fuss nicht gelang holte er nur wenige Sekunden später mit der Brust nach und brachte seine Mannschaft mit zwei Längen in Front. Eine verdiente Halbzeitführung, welche durchaus höher hätte ausfallen können.

Reaktion war gefragt, bei tiefstehender Sonne
Obwohl die Gäste die erste Chance der Reprise verzeichneten, erarbeiteten sich die Platzherren schon in den ersten Minuten mehr Torchancen als während der ganzen ersten Halbzeit. Statt die immer tiefer ins Gesicht von Torwart Christian Wyss scheinende Abendsonne zu nutzen, verstrickten sich die Einheimischen immer wieder in unnötige Ballverluste und zu ungenauen Zuspielen im Mittelfeld. Der Gästekeeper musste sich erst Mitte des zweiten Spielabschnittes wieder mal entscheidend hinlegen. Ansonsten verbrachte er einen eher geruhsamen Fussballabend. Mit Auswechslungen versuchte Wolhusen neuen Schwung in den Angriffsreihen zu bewirken. Dem setzten die Gäste mit ihren Wechseln einen Rhythmusbruch dagegen. Das Spiel plätscherte so zwischen den beiden Strafraumzonen hin und her und Abschlüsse der Einheimischen waren da eher als Rückgaben, denn als gefährliche Schüsse zu bezeichnen. Um Wolhusens Schlussmann steigerte sich die Abwehrkette und bildete den solidesten Teil vom Wolhuser Spiel. Algro ruhte sich auf dem komfortablen Vorsprung aus und versuchte ab und zu Nadelstiche zu setzen. Dominik Luder verpasste in der 86. Minute mit seinem gedachten Querpass oder Schuss eine Resultaterhöhung. Den Gästen reichte aber auch so eine durchschnittliche Leistung um den Sieg ins trockene zu Bringen. Einzig kurz vor dem Abpfiff verpasste Alain Brunner eine Resultatverkürzung und die Hoffnung auf einen Punktgewinn. Mirakulös lenkte aber Christian Wyss das Leder zur Seite und behielt das Gehäuse „weiss“ vor Schaden, wie sich die hervorragend bespielbare Rasenunterlage bis zum Schluss in „grün“ präsentierte. Wenig später setzte der sehr gute Schiedsrichter Paul Kaufmann, welcher immer Herr der Lage war, dem Spiel ein Ende. Algro darf mit diesem Sieg weiterhin mit den Aufstiegsspielen liebäugeln.

Kann Wolhusen den Brand löschen?
Am kommenden Samstag reisen die Wolhuser zum SC Eich auf dessen Sportanlage „Brand“. Die Wolhuser müssen das sich unmittelbar hinter ihnen befindende Team von Trainer Michael Kaufmann in die Schranken weisen. Ein Sieg würde den „Abstiegsbrand“ wohl endgültig löschen und dabei Schüpfheim in die Karten spielen. Diese empfangen anschliessend die „Brandelf“ zum Nachtragsspiel im Kampf um die Relegationsplätze. Algro empfängt auf dem heimischen Aengelgehr den FC Entlebuch im Direktduell um das Pflänzchen Aufstiegsspiele zu pflegen.

FC Wolhusen - FC Altbüron-Grossdietwil 0:2 (0:2)

Samstag, 29. April 2017, 18.00 Uhr
Blindei, Wolhusen
130 Zuschauer

Tore

20. 0:1 Kilian Affentranger

34. 0:2 Christoph Eiholzer

FC Wolhusen

David Wicki, Claudio Imfeld, Heinz Schumacher, Roland Burri, Christoph Wicki, Daniel Brunner, Alain Brunner, Oliver Röösli, Reto Wicki, Fabian Marti, Nikson Tomaj (Angelo Zimmermann, Jonas Wicki, Patrick Zurkirchen, Dominik Röösli)

FC Altbüron-Grossdietwil

Christian Wyss, Marcel Koller, Kilian Affentranger, Cyrill Bossert, Shkelzen Alusi, Yves Örtelli, Dominik Luder, Christoph Eiholzer, Alain Schmidlin, Matthias Eiholzer, Andreas Hofer, (Adriatik Alusi, Sven Geiser, Marc Ötterli, Mike Iskandar)

Die Blindei am Morgen
Kilian Affentranger Kilian das Leder zum ersten Tor in die Maschen
Algros Yves Ortelli beschäftigt die FCW Abwehr
Marcel Koller und Roland Burri i Zweikampf, beobachtet von Reto Wicki
Chance von Dominik Luder gegen David Wicki
Dominik Luder enteilt Roland Burri
Das Penaltyfoul an Dominik Luder